unsere Hausgeburt ♥

Die Tage davor....

Auch bei einer vierten Schwangerschaft weiß man nicht, wann es endlich los geht!
Ich denke, da kann man 10 Kinder bekommen, wird jede Schwangerschaft und Geburt anders verlaufen.
So wie auch bei mir.
Ich hatte schon relativ früh immer wieder Übungswehen. Da wir eine Hausgeburt geplant hatten,war mir nur sehr wichtig, dass unser Babyzwerg bis 3 Wochen vorm Geburtstermin aushält. Dann davor hätte ich logischer weise ins Krankenhaus müssen.
Es gab immer wieder Tage in den letzten Wochen, wo ich fast darauf gewettet hätte, dass DIESE Wehen jetzt echte sind.
Es entwickelte sich ein Ritual....
Nachmittag kamen Wehen, dann nahm ich mir ein Bad, die Wehen gingen zurück und ich wurde so müde, dass ich täglich um 16-17 Uhr ins Bett ging und ein paar Stunden schlief. Danach war ich bis 2-3 Uhr früh wach....tagein tagaus!!
Zum Glück hatte mein Mann mit seinem Chef ein Abkommen, dass er die letzte Schwangerschaftszeit bis 2Wochen nach der Geburt bei mir bleiben konnte - somit waren unsere 3 großen Sprösslinge tip top versorgt und ich brauchte kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich nicht ganz anwesend war.
Es war sehr schön, dass ich mich so sehr auf die Vorbereitung einlassen konnte.
Ich baute mir richtig mein Nest. Am liebsten hatte ich es, wenn alle daheim waren. Wenn eines der Kinder Abends auswärts bei einem Freund schlief war das für mich ein Graus. Ich wollte alle zusammen haben - eine RICHTIGE Glucke war ich in diesen letzten Wochen :D

Meine Launen schwankten von himmelhochjauchzend zu Tode betrübt. 




 


Ca. ein/zwei Wochen vor der Geburt (mit der Geburt hab ich jegliches Zeitgefühl verloren....) telefonierte ich mit Andrea und musste immer wieder tiiiiiieef einatmen oder konnte zwischendurch nicht reden.
Andrea meinte: "Petra, das hört sich aber ganz stark nach WEHEN an!"

Gut, sie hatte ja Recht - aber was nun? So lange es nicht stärker wurde, konnte ich sowieso nichts machen.

Dennoch rief ich meine Hebamme an und schilderte ihr kurz wie, wo, und wann es weh tat.
Ich wusste im Grunde schon vorher was sie mir antworten würde und so war es auch:
"Du weißt schon, wann es los gehen wird, nimm dir ein Bad oder setz dich mit einem Kirschkernsackerl hin" (Sorry Josy, wenn ich das jetzt nicht zu 100% richtig wiedergebe :D )

Sie hat gar nicht gesagt, dass ich mich nochmal melde soll - hat wohl gewusst, dass es noch nicht soweit war.
Mein Ablauf war wieder der selbe - Badewanne - schlafen gehen - Nachtgeist spielen!

Auch den Samstag davor, drehte ich, während dessen die Familie am Abend vorm Fernseher saß, zig Runden um unseren Esstisch mit Wehen in Abständen von ca 5 Minuten  -bis sie plötzlich wieder aufhörten. Auch da dachte ich wieder...heute?!?!
Aber tief im Inneren spürt man es ob es bald losgeht - das weiß man dann leider erst im Nachhinein, wenn man sich wieder etwas sortiert hat ;)

 

 

 

 

 



Ein paar Mal im Jahr fahren wir mit unseren Kids auch mal Fast Food essen ;) Da ich wusste, dass wir mit den Kids dann wohl länger nicht zu zweit wegfahren konnten, hatte ich den Vorschlag, das noch schnell zu erledigen.
Es war schrecklich - ich konnte nicht mehr sitzen, mir schmeckte kein Essen mehr - mir war schlecht und ich fühlte mich unrund. (hahahaha - naja...rund war ich schon -wie man sieht)
Die folgenden Tage waren gleich. 

Mein Nestbauinstinkt lief auf Vollgas!
Einen Monat vor der Ankunft unseres Sonnenscheines begann ich mir das Nähen zu lernen und nähte was das Zeug hielt :D 


Es wäre alles soweit....

Nicht nur einmal hörte mein Mann von mir die Worte, dass ich nicht mehr kann...
Ich war bereit, die Kleidung gerichtet, alles für die Hausgeburt besorgt, alle Bücher gelesen - alles war auf Warteposition ♥


Am Donnerstag, den 25.02.2016 hatte unsere Tochter noch einen Zahnarzttermin, ich schnaufte mich durch die Ordination und war froh wieder zu Hause sein zu können.

Am Abend schauten mein Mann und ich gerade "American Pie" :P als ich etwas nass spürte, das ich nicht aufhalten konnte - aber für einen Blasensprung viel zu wenig.

Ok.....was soll ich tun? Unterhosencheck und Josy unsere Hebamme anrufen!

"Aber sollen wir sie anrufen?" Es ist schon nach 22:00 und was soll sie denn auch machen...hab ja keine Wehen?!
Wie gesagt, auch nach 4 Kindern herrscht dann mal Ratlosigkeit gepaart mit viel Verwirrtheit.

Josy meinte ernsthaft, sie schaue einfach vorbei! Mann, war mir das unangenehm, da hol ich jetzt meine Hebamme aus dem warmen Haus nur weil meine Unterhose etwas nass war..aber es war nichts zu machen, sie war schon auf dem Weg.
Etwa 50 min später lag ich schon auf der Couch und sie machte einen Fruchtwassertest, der jedoch negativ ausfiel. Falscher Alarm!


 

 

 


Sie schickte mich ins Bett und fuhr heim. Wenn was wäre, jeder Zeit anrufen.
Ich meinte noch zu ihr, jetzt kann ich gar keine Wehen bekommen, denn ich bin extrem müde.
Das kam mir etwas komisch vor, da ich ja, wie ihr mittlerweile wisst, eine richtige Nachteule war.

 

Also gingen wir ins Bett und ich schlief (glaub ich das einzige mal in der Schwangerschaft da EXTREMSODBRENNEN) innerhalb weniger Sekunden in einen sehr tiefen Schlaf.
Bis ich geweckt wurde, weil ich etwas nasses spürte.
Mir war klar, dass es die Fruchtblase. Also schnell zum Handy und Josy angerufen.
"Josy, diesmal ist´s wirklich Fruchtwasser - und ich muss sooooo dringend aufs Klo - was soll ich tun??"

Meine liebste Hebamme meinte, ich soll nicht zuviel nachdenken aufs Klo gehen und versuchen noch etwas zu schlafen.
Gute Idee!
Da ich ja bei meiner dritten Schwangerschaft einen Blasensprung hatte und die Wehen ewig auf sich Warten ließen hab ich mir schon im Vorhinein fest gewünscht, dass wenn der Fall nochmal eintreten sollte, die Wehen sofort kommen sollten.

Dieser Wunsch hat sich erfüllt, denn von 02:00 bis 03:00 lag ich im Bett und hatte alle 5 Minuten Wehen.

Luis schlief neben mir bzw. lag er ruhig daneben ;)
Mir war es am angenehmsten im Bett. Die Wehen konnte ich sehr gut veratmen.
Um 03:00 rief ich Josy wieder an und fragte was zu tun sei...sie meinte, wenn sie regelmäßig alle 3 Minuten kommen würden, dann nochmal melden.

Ich blieb noch immer im Bett und ließ meinen Körper arbeiten. Die Zeit verging ziemlich schnell und die regelmäßigen Wehen stellten sich auch schnell auf einen dreiminütigen Abstand ein.
Um ca. 04:00 wurden sie dann etwas stärker und ich merkte, dass ich schon etwas tönen musste. Mein Körper sehnte sich nach einem warmen Bad, dass mir Luis inzwischen einließ.
"Ähm, wäre es nicht an der Zeit, dass du Josy fragst ob sie kommen kann...immerhin fährt sie ca. 50 Minuten"
Luis war verhältnismäßig ruhig - im Inneren jedoch voller Panik, hat er mir im Nachhinein erzählt. Eine Alleingeburt hätte er jetzt nicht unbedingt wollen :D 

Die Wehen kamen in so kurzen Abständen, dass ich alle Kraft für mich sammelte und Luis mit Josy reden musste. Sie machte sich auf dem Weg.

Inzwischen hüpfte ich in die Badewanne und rief meine Mama an, die ich gebeten hatte, während der Geburt zu kommen um auf die drei Großen aufzupassen.

 

 

 

 


In der Wanne.....

Auch rief ich meine liebe Freundin Martina an, die im Falle, dass meine Mama nicht konnte, einspringen würde, an. Sie sagte mir, dass sie leider niemanden für ihre Kinder hätte aber sobald sie in Schule und KIGA wären vobeischauen würde ob wir etwas brauchen könnten.

Dann kam auch noch eine zweite Hebamme, die liebe Elisabeth, die 
praktizierende selbständige Hebamme ist aber noch gerne bei anderen Geburten für Praxis zuschaut. 

Es war eine sehr angenehme Stimmung im Badezimmer, wir scherzten auch noch herum weil unser Kater die Doula mimte ;)
Er wich mir nicht von der Seite ♥

Ich war so voller positiver Energie, ich war mir so sicher, dass mein Körper und das Baby das gemeinsam super hinbekommen werden und ich mich leiten lasse.
Irgendwie verstanden Josy und ich uns ohne Worte, denn sie saß nur danben und ließ mich einfach tun. 
Es war einfach so schön , eine Geburt zu erleben, so wie es uns die Natur mitgegeben hat. 

 

 

Ich wusste einfach, was der nächste Schritt war. Bis dorthin hat Josy auch keinen vaginalen Befund gemacht, das war auch so in meinem Sinne, denn wenn ich gewusst hätte zbs. 2 cm offen...dann konnte ich mir ausrechnen, wie lange es noch dauert und das hätte mir schon wieder Druck gemacht.
Plötzlich kam dann doch eine heftige Wehe und wir beschlossen doch einen schnellen Befund zu machen.
Ich dachte, ich verhörte mich :)
Fast ganz offen...damit hätte ich nun auch nicht gerechnet, es war ja erst 05:38 (was ich  mich erinnern kann stand das auf dem Geburtsbericht)
Sicher jede, die schon ein Kind zur Welt gebracht hat kann sich erinnern, dass das Zeitgefühl komplett schwindet -was in vielen Fällen auch gut ist.

Plötzlich überkam mich ein Anflug von Euphorie und so eine geballte Ladung Energie aber auch zwei - drei sehr heftige Wehen, die einem das klare Denken sehr erschwerten.

 


Und plötzlich ging alles ganz schnell.....

Ich zu Josy....es drückt so!!
Und sie, ja dann drück, wenn du das Bedürfnis hast. Es waren drei Minuten wo ich presste und es war so ein unbeschreibliches Gefühl.
Schon bei den drei vorhergehenden Geburten empfand ich die Presswehen als etwas befreiendes, erwartungsvolles....man wusste, bald sieht man dieses geliebte kleine Wesen zum Ersten mal ♥. Meine Hebamme veränderte etwas meine Position damit der Kleine nicht beim Steißbein anstand und schon war er auch schon da.
Er lag unter Wasser und blickte uns alle groß an. Ich weiß es leider nicht mehr aber mein Mann Luis war völlig fasziniert. Nun war er da  - 05:50 war es genau gesagt. Die Geschwister wachten bei den letzten Presswehen auf und wussten, dass das bedeutet, ihren heißersehnten Bruder endlich kennen zu lernen.
Meine Mama holte sie zu uns ins Badezimmer und sie wussten gar nicht Recht was sie sagen sollten -außer, dass sie natürlich die Schule schwänzen wollten ;)
Aber diesen Vormittag brauchte ich für uns - ein paar Stunden nur wir Eltern mit dem kleinen Würmchen und ab Mittag war dann Familytime ♥

Mein Wunsch war es, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen. Ich legte mir Constantin auf meinen Bauch und wir deckten ihn mit einem weinroten warmen Handtuch zu und so verweilten wir eine halbe Stunde bis sie komplett auspulsiert war und sie durchtrennt wurde.

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dann begann die magische Wochenbettzeit ♥